Geranien überwintern in der Balkonkiste: So gelingt's sicher
Geranien (botanisch eigentlich Pelargonien) sind mehrjährig. Man muss sie also nicht jeden Herbst auf den Kompost werfen, auch wenn das viele tun, weil sie es einfach nicht besser wissen. Wer noch eine leere Balkonkiste im Keller stehen hat, kann daraus mit ein paar Handgriffen ein simples, aber erstaunlich wirksames Winterquartier bauen. Hier zeige ich dir Schritt für Schritt, wie deine Geranien in einer Balkonkiste gut über den Winter kommen, ganz ohne Gewächshaus, ohne Keller und ohne teures Zubehör aus dem Gartencenter.
Warum überhaupt überwintern?
Geranien stammen ursprünglich aus den milderen Klimazonen Südafrikas und sind bei uns schlicht nicht winterhart. Frost überleben sie nicht, das ist Fakt. Bei kühlen, hellen Bedingungen ruhen sie aber problemlos und treiben im Frühjahr zuverlässig wieder aus. Wer seine Pflanzen überwintert, spart nicht nur Geld (ein kräftiger Pelargonienstock kostet im Frühjahr schnell 6 bis 10 Euro), sondern bekommt auch gewachsene, buschige Exemplare zurück. Und im März kann es dann direkt mit Rückschnitt und Vorkultur weitergehen, statt bei null anzufangen.
Die Balkonkiste als Winterquartier – das Prinzip
Eine ungenutzte, stabile Balkonkiste aus Holz oder dickwandigem Kunststoff eignet sich erstaunlich gut als kompaktes Winterlager, vorausgesetzt, sie steht an einem geschützten Platz. Sie isoliert die Wurzeln gegen Kälte, bricht den Wind und lässt sich mit ein bis zwei Handgriffen abdecken. Kein Hexenwerk, eher gesunder Menschenverstand.
Was du brauchst
- Eine stabile, tiefe Balkonkiste (mindestens 20 bis 25 cm Tiefe)
- Trockenes Substrat oder Vlies bzw. Zeitungspapier als Füllmaterial
- Vlies, einen Jutesack oder eine alte Decke zum Abdecken
- Einen geschützten, kühlen, aber frostfreien Standort, zum Beispiel an der Hauswand, im unbeheizten Wintergarten oder in der Garage mit Fenster
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Richtiger Zeitpunkt
Bring die Geranien ins Winterquartier, bevor der erste kräftige Frost kommt, also meist Ende Oktober bis Anfang November, sobald die Nachttemperaturen dauerhaft unter 5 °C fallen. Warte lieber nicht bis zur letzten Frostwarnung im Wetterbericht, ein einziger kalter Nachteinbruch reicht, um alles zunichtezumachen.
2. Pflanzen vorbereiten
- Schneide die Triebe auf etwa 10 bis 15 cm zurück.
- Entferne welke Blätter, Blüten und kranke Pflanzenteile gründlich, auch die, die noch halbwegs gut aussehen.
- Kontrolliere die Wurzeln auf Schädlinge, bevor die Pflanzen ins Winterquartier wandern. Ein befallener Wurzelballen kann sonst die ganze Kiste anstecken.
3. Einsetzen in die Balkonkiste
Setze die Pflanzen dicht, aber nicht gequetscht, mit den Wurzeln (mit oder ohne Erde) in die Kiste. Genauso gut kannst du sie samt Topf hineinstellen und die Lücken dazwischen mit trockenem Stroh, Zeitungspapier oder Vlies auffüllen. Das funktioniert wie eine natürliche Dämmschicht und kostet praktisch nichts.
4. Standort wählen
Ideal ist ein Platz mit:
- Temperaturen zwischen 5 und 10 °C
- hellem, aber nicht direktem Sonnenlicht
- Frostfreiheit, auch nachts
Geeignet sind zum Beispiel ein kühles Treppenhaus, eine Garage mit Fenster, ein unbeheizter Wintergarten oder ein geschützter Platz direkt an der Hauswand, zusätzlich mit Vlies abgedeckt. Ich habe meine Kiste schon mal einfach unter das Vordach gestellt, mit zwei Lagen Vlies drüber, das hat locker gereicht.
5. Richtig gießen
Im Winterquartier brauchen Geranien fast kein Wasser. Gieße nur so viel, dass die Wurzeln nicht komplett austrocknen, etwa alle drei bis vier Wochen ein kleiner Schluck reicht völlig aus. Staunässe solltest du unbedingt vermeiden, denn sie führt schneller zu Fäulnis als ein bisschen Trockenheit. Im Zweifel lieber einmal zu wenig gießen als einmal zu viel.
Häufige Fehler vermeiden
- Zu warmer Standort: Bei Zimmertemperatur treiben die Pflanzen unnötig aus und werden dadurch anfälliger für Schädlinge wie Blattläuse.
- Zu viel Gießen: Feuchte, kühle Bedingungen sind ein Paradies für Grauschimmel und Wurzelfäule.
- Kiste ungeschützt im Freien lassen: Ohne Abdeckung dringt der Frost trotzdem durch, das Holz oder der Kunststoff allein reichen nicht.
- Kranke Pflanzenteile mit einlagern: Das begünstigt Pilzbefall, und zwar für alle Pflanzen in der Kiste, nicht nur für die betroffene.
Im Frühjahr wieder herausholen
Ab März, sobald die Frostgefahr sinkt, holst du die Geranien zurück ans Licht. Schneide sie noch einmal leicht zurück und gewöhne sie langsam an mehr Sonne und Wärme, am besten in kleinen Schritten über ein bis zwei Wochen. Nach den Eisheiligen Mitte Mai dürfen sie dann wieder zurück auf den Balkon.
Fazit
Geranien in einer Balkonkiste zu überwintern ist eine platzsparende, günstige Methode, um diese beliebten Balkonpflanzen über Jahre hinweg zu kultivieren, statt sie jeden Herbst wegzuwerfen. Entscheidend sind ein kühler, heller und frostfreier Standort, ein moderater Rückschnitt sowie sparsames Gießen. Mit dieser einfachen Methode hast du im nächsten Frühjahr kräftigere, üppigere Geranien in der Hand, ganz ohne Neukauf und ohne großen Aufwand.